Espresso Eskalation: Designtrends 2026
In diesem Blogbeitrag geht es um die wichtigsten Marketing Trends 2026 – und darum, warum Marken im kommenden Jahr wieder menschlicher, emotionaler und mutiger auftreten müssen. Während Künstliche Intelligenz immer leistungsfähiger wird, wächst gleichzeitig der Wunsch nach Echtheit, Emotion und authentischem Storytelling.
Gemeinsam mit Grafikerin Lina und Social‑Media‑Managerin Nele analysieren wir die zentralen Kreativtrends 2026.
Vorstellung
Nele: Liebe Lina, stell dich doch einmal ganz kurz vor.
Lina: Hi Nele, freut mich. Ich bin Grafikerin bei Provinzglück und seit 15 Jahren arbeite ich in meinem Beruf.
Sehr cool. Dann bist du eine richtige Expertin dafür?
Ja, genau. Vor allen Dingen für Corporate Designs und Logos. Das ist mein Steckenpferd. Das macht mir am meisten Spaß. Marken-Entwicklung.
Wir sprechen über den Trend Report von Adobe. Wie bist du darauf gekommen?
Bevor wir starten, möchte ich dir gerne noch was zeigen. Ich habe mir etwas mitgebracht.
Oh, Lina hat mir ein kleines Kuscheltier in die Hand gegeben. Eine Espressobohne auf Beinen mit Gesicht. Das ist super süß und passt natürlich perfekt zu unserem Podcast.
Genau. Und anhand dessen, würde ich sagen, gehen wir auch den Trend Report durch, weil wir jetzt einfach mal eine fiktive Bohnenmarke gründen, denn wir wollen jetzt ja Bohnen verkaufen. Da habe ich einfach mal so beschlossen. (lacht)
Ja, sehr cool. Wir gründen also eine Bohnenmarke. Wie würde eine Marke denn 2026 aussehen, wenn sie jetzt gegründet wird?
Der erste Aspekt lautet All The Feels. Also es ist ganz wichtig, in der heutigen Flut, die uns so überrollt von Bildern über Videos und Grafiken, dass man irgendwie auffällt. Und man muss irgendwie bei Bildern das Gefühl haben, dass man die Bohne quasi fast riechen kann oder schmecken kann. Also dass, wenn man beispielsweise Fotos aufnimmt: so detailreich wie möglich, damit man wirklich das Gefühl hat, man ist irgendwie mittendrin… ja, dass man so direkt diese Verbindung spürt.
Dazu habe ich auch einen wichtigen Satz gelesen. Den fand ich sehr gut. „Emotion ist wichtiger als Perfektion.” Und ich glaube, das ist es auch, was 2026 gefragt ist. Also wir wollen nicht mehr alles aalglatt haben. Wir wollen einfach Emotion. Das passt auch total zu dem, was auf Social Media quasi zu sehen ist. Social Media lebt ja davon, dass es authentisch ist und eben nicht perfekt.
Man sieht ja auch total viele Outtakes oder grundsätzlich einfach nicht High Quality Aufnahmen.
Die Menschen zeigen sich weinend, die Menschen zeigen sich ungeschminkt mit nicht perfekter Haut. Na, das war auch schon mal ganz anders und ich bin ehrlich gesagt sehr froh darüber. Gerade in dieser schnelllebigen Zeit finde ich total gut, dass man nicht mehr alles zehnmal durchdenkt.
Ich glaube, das ist auch ein großer Aspekt, den viele Unternehmen unterschätzen. Da geht es oft noch um Perfektion, obwohl das genau widersprüchlich zu dem Trend ist, den wir eigentlich verfolgen wollen. Ich glaube, da ist es wichtig, mutig zu sein und anderen zeigen, wie man ist, auch als Unternehmen.
Hm, total. Ja, der nächste Aspekt: Wir wollen Geschichten erzählen – Connectioneering. Es geht darum: Wir überlegen uns eine Geschichte zu unserem Produkt. Zu unserer Bohne. Welche Zielgruppe haben wir? Wie wollen wir diese Zielgruppe ansprechen? Ich habe sofort irgendwie ein Bild im Kopf. Zum Beispiel: Eine Frau trinkt den Kaffee und denkt dabei irgendwie direkt an die Großeltern. Früher, sonntags, kannst du dich daran erinnern, wenn du sonntags bei deinen Großeltern warst und du riechst so diesen Kaffee-Geruch?
Der aus so einer großen Kaffeekanne! Ja, genau. Ja, man verbindet direkt etwas. Und manchmal hat man auch direkt Werbung im Kopf. Also gerade wenn wir über Kaffeebohnen sprechen, denke ich an diese klassische Espressowerbung, oder? Man sieht immer George Clooney mit dieser Kaffeetasse oder Espressotasse da sitzen und das verbindet man ja dann auch damit und ist ja auch eine Art von Storytelling.
Oder wenn man jetzt eher so die jüngere Zielgruppe hat, kann ich mir auch gut vorstellen: Sie bleibt über Nacht bei ihrem One Night Stand und er ist so stolz darauf, wie geil er seiner Latte Art machen kann, dass er sogar noch auf den ersten Cappuccino da bleiben darf. Das wäre dann so die – ich sag mal – lustigere Emotion.
Was Social Media auch betrifft, ist die sogenannte Surreal Silliness, also surreale Albernheit: Motive, die man so jetzt nie shooten könnte. So ein Mix aus verschiedenen Materialien oder Orten, also irgendwas, was man so nicht erwartet. Das Unerwartbare quasi, weil man ja schon alles gesehen hat. Man will ja neue Sachen sehen. Man will ja jetzt diese Bohne im Weltall schwebend sehen, beispielsweise. Und da ist die KI natürlich perfekt. Also ich weiß nicht, ob unser Fotograf oder unsere Fotografin dazu Lust haben. Kann sein, aber es würde ein sehr teures Fotoshooting werden. (lacht)
Absolut.
Ein weiterer Punkt ist Local Flavour. Man schafft lokale Events, man bringt Menschen zusammen an Orte, wo wir beispielsweise unseren Kaffee verköstigen können. Um so einfach diese Lokalität zu nutzen und somit authentisch zu sein. Ich würde dann mal raussuchen, ob es hier irgendwo in der Gegend Influencer, irgendwelche bekannten Menschen gibt, die auch für das werben könnten. Genau das wäre so eine weitere Möglichkeit.
Cool. Also geht der Trend schon auch dahin, die Menschen wieder zusammenzubringen und auch an das Unternehmen in echt ran zu führen und nicht mehr nur über den digitalen Weg.
Genau. Also, wir haben flache Bilder. Im besten Fall haben wir ein Video, aber was die Leute halt wirklich wollen, ist wieder rauszukommen, auf Events zu gehen, in den Austausch zu kommen.
Spannender Punkt.
So, lass uns doch jetzt mal ein bisschen rumspinnen. Wie man Design-technisch oder typografisch an das Ganze herangehen könnte. Hast du irgendwelche Trends bei Social Media entdeckt, die du sehr markant findest?
Ich finde, man merkt, dass es auf jeden Fall wilder wird. Ich finde, es sind nicht mehr die klassischen Schriftarten, die man vielleicht aus einer Word Datei kennt, aus dem Arbeitsalltag oder aus dem privaten Alltag, sondern es sind mutigere Schriftarten, teilweise auch wild zusammengesetzt, manchmal sehe ich Videos, da nutzen die teilweise für jeden Satz eine andere Schriftart und es klingt erstmal total unpassend. Aber irgendwie funktioniert es und es erreicht bei mir zumindest, dass die Aufmerksamkeit länger da ist, weil es einfach eine aufregendere Schriftart ist.
Also das kann ich nur unterstreichen. Die Typografie wird wieder persönlicher. Also es ist nicht mehr so wie die Google von – sage ich jetzt mal – diese typischen geometrischen Fonts, an denen man sich einfach satt gesehen hat letztes Jahr. Man will wieder mehr Persönlichkeit reinbringen. Man übersieht sie auch. Es sieht alles gleich aus. Und ja, das macht halt irgendwann auch keinen Spaß mehr. Deswegen – es wird wieder bold, es wird organisch. Junky Fonts nennt man das ja auch. Handgeschriebenes. Auch unperfekt. Was Visual Trends angeht: zusammengewürfelt, so dieses Unperfekte. Man hat sich jetzt auch sattgesehen an diesen Clean Girl Esthetics Auch an den Farben – dieses Beige… Aufgeräumtes Chaos ist angesagt, man traut sich was. Ich denke direkt an Polaroids, überlappende Texturen. Das nennt sich Messy Esthetics. Kräftige Farben, Collagen. Ja, das werden wir jetzt im Laufe des Jahres immer mehr sehen. Und da freue ich mich darüber, denn ich finde es authentisch. Es bringt mal eine Abwechslung rein. Man sieht nicht immer nur diese geometrischen Schriften und die Verläufe. (Ich liebe Verläufe wirklich… (lacht) Aber ja…). Also da freue ich mich drauf, jetzt einfach ein bisschen Abwechslung zu sehen.
Ich freue mich auch. Ich finde, man erkennt diesen Trend nicht nur auf Werbeplattformen wie Instagram oder irgendwelchen klassischen Plakaten oder so, sondern man erkennt ihn auch, wenn man durch ein Möbelhaus geht oder durch Deko-Läden. Also diese Dopamin Colour, diese bunten Farben, wo man vielleicht auch manchmal denkt: passt Rosa jetzt wirklich zu Rot, was plötzlich überall Thema ist oder Blau und Rosa. Also diese kräftigen Farben, die wieder gemischt werden, die auch im Dekobereich, im Textilbereich gerade überall zu sehen sind.
Ja, das geht weg vom langweiligen oder vermeintlich langweiligen, es regt mal wieder so ein bisschen mehr an, auch Freude zu haben, wenn man sich so was anguckt.
Naja, jetzt stellt sich mir die Frage, wenn ich jetzt eine Marke gründe und ich beachte die ganzen Trends, wie lange glaubst du, ist diese Marke wirklich modern? Ich glaube, deswegen sind so viele Unternehmen so traditionell und klassisch unterwegs. Wie hoch ist das Risiko, dass es vielleicht in drei Jahren nicht mehr Trend ist? Kannst du dazu eine Einschätzung geben? Wenn du jetzt ein Corporate Design anlegst, wie wäre da dein Vorgehen, deine Empfehlung?
Klar. Also ich meine, das Jahr 25 ist vorbei, aber deswegen sind die Trends von 2025 nicht einfach weg, sondern das ist so ein fließender Übergang… ein Verlauf! (lacht). Und so wird’s halt auch mit den Trends 2026 sein. Also das ist eine Trend-Weiterentwicklung, würde ich jetzt einfach mal sagen. Also bei einem Logo würde ich schon so drauf achten: Auf gute Lesbarkeit. So die klassischen Faktoren: dass das ganze halt auch in schwarz und in weiß funktioniert, dass es universell einsetzbar ist. Und das sind ja schon mal Faktoren, die das Ganze langlebig machen. Ja, aber klar, eine Marke darf sich weiterentwickeln, das ist vollkommen in Ordnung. Und gerade eine junge urbane Marke, wie jetzt zum Beispiel ne Espresso Marke oder so, da darf ruhig immer mal wieder ein bisschen Veränderung reinkommen.
Fazit
Kommen wir zum Schluss. Was wären denn so deine drei Tipps, die du uns mitgeben würdest?
Was ich halt extrem wichtig finde: Überleg dir eine Geschichte zu deinem Produkt! Das ist wirklich das A und O, du hast direkt ne Connection zu dem Produkt und es wird persönlich.
Dann auf jeden Fall mutig sein, sich nicht immer nur hinter dem alten Corporate Design verstecken. Ich weiß, dass man da investieren muss. Ich weiß aber auch, dass es sich lohnt. Und das strahlt nicht nur nach außen, sondern auch nach innen. Also deine Mitarbeitenden, die freuen sich auch darüber, wenn was modernisiert wird und das setzt gute Zeichen.
Und – lass mich überlegen – auf jeden Fall auch mutige Farben verwenden. Nicht zu trist. Sei laut, scheiß drauf, die ganze Welt ist laut. Steh zu deinen Werten, zu dem, was du aussagen möchtest, zu deinem Storytelling.
Sehr cool. Vielen, vielen Dank, Lina. Das war super spannend. Und wir beide trinken jetzt erst mal Espresso. Den dritten dann für dich heute (lacht).
Sehr schön, ich danke dir.
Du willst deine Marke klar positionieren? Lass uns gemeinsam herausfinden, wie du mit Strategie und Gefühl deine Zielgruppe erreichst.
Espresso Eskalation: KI-Assistenten
In diesem Beitrag spricht Nele mit Karsten über den praktischen Einsatz von KI-Assistenten im Arbeitsalltag. Gemeinsam beleuchten sie, was...
Warum gute Agenturen keine Kreativbuden sind – sondern Systeme für Wachstum
Es gibt dieses hartnäckige Bild von Marketing-Agenturen. Ein Bild, das sich über Jahre in den Köpfen festgesetzt hat: kreative Köpfe, große Ideen,...
Die Kunst der Positionierung: Ein Leitfaden für dein mittelständisches Unternehmen
Die Welt des Marketings ist dynamisch und oft komplex. Gerade in diesem Umfeld kann eine klare und durchdachte Positionierung den Unterschied...




